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Faust-Premiere am Adolfinum – Goethe lebt

Die Geschichte ist schnell erzählt: frustrierter Wissenschaftler und Bücherwurm schmeißt sich mit Hilfe seines charmanten Freundes Mephisto ins wilde Leben, verliebt sich unter Drogeneinfluss in Gretchen, die er schwängert und sitzen lässt, wobei am Ende vier Tote zu beklagen sind: Gretchens Mutter, ihr Bruder Valentin, ihr Kind und Gretchen selbst.

Dass das blutjunge und bildhübsche Mädchen (gespielt von Clara Albrecht und Merle Lehr) unter ständiger Beobachtung und sozialem Druck steht, verkörperte ein großer Gartenzwerg als Zaungast. Doch auch ihre Mitspieler zeigten sich als eifersüchtiges und klatschsüchtiges Volk, bösartig in seinem Urteil und dabei den einfachen Vergnügungen sehr zugetan. Die mit Hilfe von Anna Städler choreografierten Tänze demonstrierten dies vom Volkstanz bis zum Jumpstyle. Im Dom jedoch war man hochanständig und jagte Gretchen mit vierstimmig gesetzten gregorianischen Gesängen (Arrangement Martin Rücker) mehr höllische als christliche Angst ein.

Faust (Lukas Jansen, Sebastian Glowacki und Nicolas Wagener) und Mephisto  (Phillip Schmidt, Tom Schönenberg, Torben Kemper und Philippe Georgi) wurden in verschiedenen Facetten vorgeführt, mal museal, mal frustriert gegen spöttisch, dann verliebt gegen verführerisch und am Ende gemeinsam gierig und gewalttätig. Drei Begleiter (Jana Richter, Daria Schubert, Jens Wrobel) führten das Publikum souverän an verschiedene Spielstätten der Schule und auch auf den Pausenhof, bevor des Stück in Bierzeltatmosphäre in der Aula startete und die 200 Zuschauer endlich auf sicheren Plätzen saßen.

Ob die mannstolle junge Witwe Marthe (Kristina Känzler), die Oberhexen Friederike Eimers und Iman Azougagh, Fausts kriecherischer Assistent Wagner (Jan Ringsdorf), Gretchens hämische Freundin Lieschen (Jasamin Teuchler) oder ihren Macho-Bruder Valentin (Sven Schalwijk): alle könnte man sich heutzutage in der Nachbarschaft, in der Eckkneipe beim public viewing oder in der Disco vorstellen. Wenn die Thekenbesetzung in Auerbachs Keller (Martin Stegmann, Alexander Kohl, Linus Liebetrau, Michael Lukasczyk) singt: „Uns ist so kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säuen“, glaubt man kaum, dass der Text aus dem Original stammt.

„Die Schinderei hat sich gelohnt“, da sind sich alle einig, die im vergangenen halben Jahr einen großen Teil ihrer Freizeit und Wochenenden bei Proben verbrachten. Getanzt haben dabei alle, besonders professionell Mareike Kohl, Julia Lämmerzahl und Isabelle Weiß, und wenn sie nur kleinere Rollen hatten, sich außerdem beim Bühnenbild (Denise Efan), der Kostümierung (Kendra Müller, Anna-Lena Erpenbach), der Organisation der Requisite (Sibel Cetinkaya) oder schlicht als Irrlicht (Kristin Großbongardt) und Herr im Himmel (Tobias Clausmeyer) nützlich gemacht.

Fazit von Kursleiterin Claudia Landes: „Was hier entstanden ist, ist eigentlich unter den gegenwärtigen Bedingungen an der Schule nicht möglich.“ Und sie wünscht sich, wie auch das Premierenpublikum, eine funktionierende Entlüftungsanlage in der Aula, die hoffentlich im Rahmen der Schulrenovierung bald auch technisch instand gesetzt wird.

  

 

 



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12.06.2008 [Vg]


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