Erprobungsstufe

In der Sekundarstufe I bilden die Klassen 5 und 6 eine besondere pädagogische Einheit: die Erprobungsstufe. Anknüpfend an die Grundschulzeit führen die Lehrerinnen und Lehrer die Kinder in diesen zwei Jahren an die Unterrichtsmethoden und Lernangebote des Gymnasiums heran. Sie beobachten und fördern die Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder mit dem Ziel, in Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten die Entscheidung über die Eignung für die gewählte Schulform sicherer zu machen.

Am Adolfinum beginnt die Schullaufbahn der neuen Fünftklässler mit einer besonderen Schulwoche: Hier lernen die Kinder ihre Lehrerinnen und Lehrer, ihre neue Schule und sich untereinander kennen. In dieser Woche unternehmen die Klassen mit ihren Klassenlehrerteams einen gemeinsamen Ausflug, die Klassenlehrer organisieren den gemeinsamen Start am Adolfinum. Ein Klassenlehrerteam besteht in der Regel aus einem Lehrer und einer Lehrerin. Sie unterrichten üblicherweise viele Stunden in ihrer Klasse, sind Bezugspersonen für die Kinder und ermöglichen eine individuelle Betreuung. Die Teamarbeit fördert den Austausch im Kollegium und unterstützt die Weiterentwicklung unserer pädagogischen Arbeit. 

Die Klassenfahrt in der Jahrgangsstufe 5 findet im Klassenverband statt: Die erste Klassenfahrt für die neuen Schüler und Schülerinnen unserer Schule findet im 2. Halbjahr der Klasse 5, in der Regel vor den Osterferien, statt. Auf dieser viertägigen Fahrt stehen die Intensivierung des Kennenlernens und die Verbesserung der Klassengemeinschaft im Mittelpunkt.

An jedem Mittwoch können alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 7 an einer ökumenischen Andacht in den Räumlichkeiten des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) teilnehmen. Eine Ausnahme bildet der letzte Mittwoch eines jeden Monats, an welchem mit den katholischen Schülerinnen und Schülern in der St.-Josefs-Kirche eine Messe gefeiert wird. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem CVJM wird der Schulgottesdienstgruppe jährlich ein Segeltörn auf dem Segelschiff des CVJM ermöglicht.

Die Profile

Bei der Anmeldung am Adolfinum können sich die zukünftigen Fünftklässler aus drei Eingangsprofilen einen Erst- und einen Zweitwunsch auswählen:

Englisch

Im Profil Englisch führen die Kinder in der fünften Klasse die Fremdsprache Englisch aus der Grundschule fort und können mit dem Einsetzen der zweiten Fremdsprache in der sechsten Klasse zwischen Latein und Französisch wählen.

Freiarbeit

Das Profil Freiarbeit ermöglicht eine Öffnung des Unterrichts, verbunden mit dem Anliegen fünf wesentliche Ziele umzusetzen: Die Schülerinnen und Schüler

  1. …festigen durch Üben und Wiederholen ihre inhaltsbezogenen Kompetenzen in den einzelnen Unterrichtsfächern.
  2. ...vertiefen und erweitern ihre Fachkompetenz durch die Auseinandersetzung mit Themen, die über den Fachunterricht hinausweisen.
  3. ...erwerben durch die reflektierte Arbeit mit unterschiedlichsten Arbeitstechniken Methoden- und Medienkompetenz.
  4. ...stärken durch selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten ihre Selbst-kompetenz.
  5. ...üben soziale Kompetenzen durch die Arbeit mit dem Partner oder in der Gruppe ein.

Viele Schülerinnen und Schülern bringen aus den Grundschulen bereits Vorerfahrungen in Formen des selbstständigen Lernens mit, die wir aufgreifen und weiterentwickeln. Solche Erfahrungen sind aber keineswegs Voraussetzungen, um an der Freiarbeit am Adolfinum teilnehmen zu können. Zu Beginn erlernen und wiederholen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den Klassenlehrern alle für die Freiarbeit notwendigen Grundlagen.

Die Jahrgangsstufen 5 bis 7 haben jeweils zwei Doppelstunden und die Jahrgangsstufe 8 eine Doppelstunde Freiarbeit pro Woche. Diese werden von den Klassenlehrern betreut. Der übrige Unterricht verläuft wie in allen anderen Klassen. Während der Freiarbeitsstunden können die Schülerinnen und Schüler frei arbeiten. Dabei sind sie frei in der Wahl des Faches und des Themas, frei in der Wahl des Materials sowie der Sozialform. Darüber hinaus können die Schülerinnen und Schüler die gewählten Arbeiten in "ihrem" Lerntempo erledigen; ggf. besteht auch die Möglichkeit den Klassenraum zu verlassen, um etwa im Selbstlernzentrum des Adolfinum zu arbeiten. Das Freiarbeitsmaterial wird - in Absprache mit den den Fachlehrern - von den Klassenlehrern zusammengestellt.

Die Schülerinnen und Schüler überprüfen entweder eigenständig, oder vom Lehrer angeleitet, ihre Arbeitsergebnisse und überarbeiten sie. Anschließend protokollieren sie, woran sie während der Freiarbeitsstunden gearbeitet haben und der Lehrer unterzeichnet das Protokoll zum Beleg der Vollständigkeit. Zusätzlich zum Zeugnis erhalten die Schülerinnen und Schüler des Freiarbeits-Profils ein Gutachten, dass die Arbeit dokumentiert.

Latein "plus"

Im Profil Latein "plus" beginnen die Schülerinnen und Schüler mit Latein als neu einsetzender Fremdsprache. Das Plus besteht darin, dass das Fach Latein durch den Englischunterricht ergänzt wird

  • Während der dreistündige Englisch-Unterricht an die Englischkenntnisse aus der Grundschule anknüpft, arbeitet der vierstündige Lateinunterricht als einziges der so genannten Hauptfächer zunächst voraussetzungslos bzw. fordert eine geringe sprachliche Vorbildung.
  • Der Unterricht in Latein ist eng auf den Unterricht in Englisch und Deutsch abgestimmt und ermöglicht so den Schülerinnen und Schülern eine noch gründlichere Beschäftigung mit dem Aufbau der Grammatik in allen drei Sprachen.
  • Da außerdem rund 50 Prozent des englischen Vokabulars lateinisch-romanischen Ursprungs ist, können auch auf dem Gebiet der Wortschatzarbeit in beiden Fremdsprachen Synergieeffekte genutzt werden.

Gerade durch die Verschiedenheit zwischen Englisch- und Lateinunterricht werden mehr Fähigkeiten angesprochen und trainiert: Während der Englischunterricht auf die Kommunikation in der Fremdsprache ausgerichtet ist, liegt im Lateinunterricht ein Schwerpunkt auf der Übersetzung der lateinischen Texte ins Deutsche. Die Schülerinnen und Schüler trainieren dadurch den reflektierenden und analysierenden Umgang mit Sprache. Wegen seines Formenreichtums erfordert Latein besondere Sorgfalt und Genauigkeit; zugleich folgt es verlässlichen Regeln, deren Anwendung logisches Denken schult und fördert.

Daneben üben sich die Schülerinnen und Schüler durch den gelenkt-kreativen Prozess des Übersetzens auch in der deutschen (Mutter-)Sprache präzise und differenziert auszudrücken. Latein ist also - neben dem Deutschunterricht - in besonderer Weise dazu geeignet, auch auf diesem Gebiet die muttersprachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu erweitern und zu trainieren. Außerdem werden beim Vorgang des Übersetzens Denkschritte geübt, die als gute Vorbereitung für späteres wissenschaftliches Arbeiten in allen Fächern dienen.

Nicht zuletzt wird den Schülerinnen und Schülern durch die Entscheidung für Latein die Möglichkeit geboten, eine andere Kultur kennen zu lernen, die der Unsrigen zwar in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich ist, aber dennoch elementare Unterschiede aufweist (zum Beispiel die Rolle der Frau, Sklaverei, Polytheismus, Umgang mit Minderheiten oder Gladiatorenkämpfe). Durch die kritische Auseinandersetzung mit der römischen Kultur bekommen die Schülerinnen und Schüler nicht nur wichtige Denkanstöße für eigene Standpunkte zu (aktuellen) Themen wie zum Beispiel Gleichberechtigung oder den Umgang mit Minderheiten. Indem es sich auf die Vorstellungen einer anderen Kultur einlässt, werden sie auch offener und toleranter werden - kurz: erkennen, dass "es auch anders geht". Somit leistet auch das Fach Latein einen wichtigen Beitrag zum multikulturellen Lernen.

Latein Plus bietet somit die Gelegenheit Latein als "analytische" Basissprache Europas PLUS Englisch als "kommunikative" Sprache an unserer Schule zu lernen.

Elterninformationen zum Download

In den "Informationen für Eltern von Viertklässlern" sind die Hinweise und Erläuterungen zur Erprobungsstufe, zu den Profilen und zur Schullaufbahn am Adolfinum in einer Broschüre zusammengefasst.